Etymologie des Begriffs Matsch

GeschichteWortherkunft

Gastbeitrag von Dr. Michael Koller (Historiker und Berufsschullehrer)

Matsch

In Deutschschweizer Kartenspielen bedeutet en Matsch mache alle Stiche eines Spiels zu machen. Beim meistgespielten Jass, dem Schieber zu viert, erhält die Partei, die alle neun Stiche macht, üblicherweise einen Bonus von 100 Punkten, ausser an Turnieren.

Der Begriff hat interessante Wandlungen durchgemacht. Zugrunde liegt ihm das italienische Adjektiv marcio für verfault, morsch, verrottet. Er wurde möglicherweise aus der Spielersprache italienischer Arbeiter in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts ins Deutsche und Schweizerdeutsche entlehnt (vgl. Tschingg). Andere Transfers über die Spielsalons höherer gesellschaftlicher Kreise oder Österreichs Herrschaft in Norditalien sind denkbar. Zuerst in der Form Martsch gebraucht, später verkürzt zu Matsch, bedeutete der Begriff anfänglich den Verlust aller Stiche eines Spiels. Matsch war also gleichbedeutend mit Misserfolg, matsch si oder werde (fare marcio) hiess verloren, vernichtet sein, en Matsch mache allgemein einen Schicksalsschlag erleiden. Im Sinn von dare marcio wurde auch davon gesprochen, dass man den anderen «den Matsch macht». Ähnlich dazu sind in deutschen und österreichischen Kartenspielen verlierende Spieler im Matsch. Haben sie verloren, sind sie Matsch. Die zweite Bedeutung des Wortes als breiartige, weiche Masse, meist im Sinn nasser Erde oder verregneten Schnees, stammt vom lautmalerischen Wort mantschen ab und ist bedeutungsähnlich. Inwieweit der deutsche Stamm in den Spielerbegriff Matsch hineinspielte, lässt sich nicht mehr ausmachen.

Wohl in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts kommt es in der Deutschschweiz zur zweifachen Transformation des Begriffs durch eine Bedeutungsverschiebung und eine Anglisierung, die möglicherweise miteinander verkoppelt sind. Matsch wird zunehmend in der heutigen Bedeutung benutzt, also im Sinn eines Gewinns aller Stiche eines Spiels. Der Matsch ist nun ein siegreiches Ereignis, das die Spieler für sich selbst anstreben. Dennoch lassen sich während Jahrzehnten beide Bedeutungen gleichzeitig beobachten. So kann man noch 1949 in einer Werbung lesen: «Der Stumpen wird euch so vortrefflich schmecken, dass ihr ganz vergessen werdet, dass ihr vorhin Match geworden seid.» Zirka ab den 1930er Jahren wird der Begriff wie in diesem Beispiel zusehends in der englischen Form Match geschrieben, womit sportlicher Wettkampf, Spiel und über Begriffe wie Matchball Sieg assoziiert wird. Diese bald mehrheitlich verwendete Schreibweise ist auch ein Zeugnis der Ausbreitung englischer Sportarten und des Aufstiegs des Englischen zur globalen Lingua franca.

In der heutigen Schweizer Jasswelt wird mehrheitlich Match geschrieben, so an den meisten Jassturnieren, beim Staatsfernsehen und sogar im «Puur Näll Ass», dem offiziellen Schweizer Jassreglement des alleinigen Jassgurus Göpf Egg (möge er in Frieden jassen). Der von vielen Verfassern zusammengeschusterte Wikipedia-Artikel über den Jass enthält hingegen wenig überraschend beide Schreibweisen, und mit den vielen kleinen Gruppen und Vereinen, die weiterhin Matsch schreiben, sei es aus Zufall, sei es aus Eigensinn, sei es im Wissen um den italienischen Wortstamm, ist der schweizerische Föderalismus auch in der Jasssprache lebendig. ‒ MK

Quellen / Hinweise:

Quelle: Gastbeitrag von Dr. Michael Koller, zitiert von Wikipedia

Quelle

Basierend auf: Gastbeitrag von Dr. Michael Koller, zitiert von Wikipedia

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