Ein Weis ist eine Kartenkombination, die Punkte bringt, bevor der erste Stich gespielt ist. Am Tisch heisst er auf Schweizerdeutsch Wys. Wer einen hält, meldet ihn mit seiner ersten Karte. Schreiben darf die Partei mit dem höchsten Weis am Tisch. Es gibt zwei Arten: aufeinanderfolgende Karten derselben Farbe und vier gleiche Karten. Dazu kommen die Stöck, die eigenen Regeln folgen. Dieser Artikel beschreibt die vom Jassverband Schweiz empfohlene Spielweise. Was eine Runde vor Spielbeginn anders abmacht, gilt für sie als Tischregel.
Dreiblatt bis Neunblatt: die Folgen
Eine Folge besteht aus drei oder mehr aufeinanderfolgenden Karten derselben Farbe. Sie heisst nach ihrer Länge Dreiblatt, Vierblatt, Fünfblatt und so weiter bis zum Neunblatt. Welche Karten eine Folge bilden, ist in jeder Farbe und jeder Spielart gleich: Sechs, Sieben, Acht, Neun, Banner, Under, Ober, König, Ass. Puur und Nell bleiben für den Weis an ihrem Platz, beim Stechen gelten sie als höchste Trümpfe. Welches Ende der Folge als das höhere gilt, richtet sich nach der Spielart: bei Trumpf und Obenabe das Ass, in Undenufe der Sechser (siehe unten). Alle Folgen in diesem Artikel sind so zu lesen: die tiefste Karte links, die höchste rechts.
Jede Karte mehr hebt den Weis um eine Stufe, ab dem Vierblatt um 50 Punkte je Karte.
Vier Gleiche
Vier Karten desselben Rangs, je eine aus jeder Farbe. Sie haben mit den Folgen nichts zu tun und tragen eigene Werte:
Die Stöck
Die Stöck sind der Weis mit eigenen Regeln: Gemeldet werden sie mit der zweiten der beiden Karten, wann immer sie fällt, und sie zählen für ihre Partei auch dann, wenn die Gegner den höheren Weis halten. Alles dazu steht im Artikel Stöck.
Alle Weise mit ihren Punkten
| Weis | Karten | Punkte |
|---|---|---|
| Dreiblatt | 3 in Folge, eine Farbe | 20 |
| Vierblatt | 4 in Folge | 50 |
| Fünfblatt | 5 in Folge | 100 |
| Sechsblatt | 6 in Folge | 150 |
| Siebenblatt | 7 in Folge | 200 |
| Achtblatt | 8 in Folge | 250 |
| Neunblatt | 9 in Folge, die ganze Farbe | 300 |
| Vier Gleiche | Sechs, Sieben, Acht, Banner, Ober, König oder Ass | 100 |
| Vier Nell | die vier Neuner | 150 |
| Vier Puur | die vier Under | 200 |
| Stöck | König und Ober im Trumpf | 20 |
Wo der Schieber mit Faktoren gespielt wird, zählt der Weis wie die Kartenpunkte mit dem Faktor der Trumpfart: Ein Dreiblatt zählt bei einer doppelt zählenden Trumpfart 40.
Wer schreibt
Es zählt der höchste einzelne Weis am Tisch. Die Partei, die ihn hält, schreibt alle ihre Weise, auch die kleinen. Zwei Dreiblatt auf der einen Seite sind zusammen 40 und verlieren gegen ein einziges Vierblatt mit 50 auf der anderen: Die Partei mit dem Vierblatt schreibt 50, die andere nichts.
Ausgenommen sind die Stöck: Ihre Partei schreibt sie in jedem Fall.
Welcher Weis ist höher?
Zwei Weise werden in dieser Reihenfolge verglichen. Sobald ein Schritt entscheidet, ist Schluss:
| Schritt | Was entscheidet | Beispiel |
|---|---|---|
| 1 | Die höhere Punktzahl | Vierblatt 50 schlägt Dreiblatt 20 |
| 2 | Bei gleicher Punktzahl und verschiedener Art: mehr Karten | Fünfblatt 100 schlägt vier Könige 100 |
| 3 | Bei gleicher Art: die höhere Karte. Beginnt die Runde unten, die tiefere | Dreiblatt vom Ass schlägt Dreiblatt vom König |
| 4 | Ist auch das gleich: der Weis in der Trumpffarbe | Dreiblatt vom König im Trumpf schlägt Dreiblatt vom König in einer anderen Farbe |
| 5 | Ist auch das gleich: der frühere Weis | Vorhand meldet zuerst, dann der Reihe nach |
Schritt 2 heisst zugleich: Eine Folge schlägt vier Gleiche desselben Werts, denn sie hat immer mehr Karten. Bei den vier Gleichen untereinander entscheiden zuerst die Punkte, vier Puur mit 200 über vier Nell mit 150. Bei gleichen Punkten entscheidet die höhere Karte, vier Asse über vier Könige.
Schritt 4 greift, wenn zwei Parteien dieselbe Folge in verschiedenen Farben halten. Dann gewinnt der Weis in der Trumpffarbe. Ist Rosen Trumpf und hält die eine Partei ein Dreiblatt vom König in Rosen, die andere eines in Eichel, schreibt die Partei mit Rosen. Beim Trio zählt dafür seine Trumpffarbe.
Schritt 5 greift, wenn beide Weise ausserhalb der Trumpffarbe liegen. Ohne Trumpf, also in Obenabe, Undenufe, Slalom und Quer, greift er immer. Dann gewinnt der frühere Weis: Es schreibt die Partei des Spielers, der zuerst an der Reihe war zu melden. Meldet Vorhand ein Dreiblatt vom König in Eichel und der nächste Spieler ein Dreiblatt vom König in Schellen, schreibt die Partei von Vorhand.
Melden am Tisch
Jeder Spieler entscheidet mit seiner ersten Karte, ob er weist. Hält er mehrere Weise, wählt er selbst, welche er meldet. Die Stöck weist er immer. Genannt wird zuerst nur die Punktzahl. Hat der nächste Spieler seine Karte gelegt, ist es dafür zu spät, der letzte im Stich hat Zeit, bis der Stich gekehrt ist. Die Karten bleiben in der Hand.
| Wer | Sagt | Was es heisst |
|---|---|---|
| Vorhand, mit der ersten Karte | «Fünfzig» | Ich halte einen Weis von 50 |
| Gegner, mit seiner Karte | «Fünfzig auch» | Ich halte ebenso viel, jetzt wird verglichen |
| Vorhand | «Vom Ass» | Meine Folge reicht bis zum Ass |
| Gegner | «Gut» | Deiner ist höher |
Die Höhe wird erst genannt, wenn zwei Parteien gleich viel melden. Dann nennen beide, was der Vergleich braucht: die Art des Weises und die höchste Karte. Sind auch diese gleich, gewinnt der Weis in der Trumpffarbe, danach der frühere: Vorhand zuerst, dann der Reihe nach.
Steht fest, welche Partei den höheren Weis hält, nennt jeder Spieler dieser Partei nach dem ersten Stich seine Weise mit Farbe und höchster Karte, zum Beispiel «Vierblatt vom Rosen-Ass». Wer mehrere Weise hält, nennt den wertvollsten zuerst. Die Frist dafür ist sein Ausspiel zum zweiten Stich, danach ist der Weis verfallen. So steht es im Offiziellen Schweizer Jassreglement.
Offen legt allein die Partei, die schreibt. Sie legt ihren Weis auf, sobald ein Mitspieler ihn nach dem ersten Stich sehen will. Die unterlegene Partei behält ihren Weis für sich.
Kreuzweis
Eine Karte darf gleichzeitig zu einer Folge und zu vier Gleichen gehören: Das ist der Kreuzweis. Beide Weise gelten, zusammen zählen beide Punktzahlen.
Die Meldung, die Rangfolge und die Runden, die ihn ausschliessen: Alles dazu steht im Artikel Kreuzweis.
Weis in Obenabe und Undenufe
Folgen und vier Gleiche gelten in jeder Spielart. In Undenufe ist der Sechser das obere Ende der Folge, weil er dort die stärkste Karte ist: Ein Dreiblatt Acht, Sieben, Sechs schlägt ein Dreiblatt Neun, Acht, Sieben. Dieselbe Ordnung gilt in Undenufe für vier Gleiche desselben Werts: Die tiefere Karte gewinnt. In Obenabe gilt die gewohnte Ordnung vom Ass her. Vier Nell zählen 150 und vier Puur 200 auch dort, wo kein Trumpf ist. Die Stöck setzen Trumpf voraus und fallen in beiden Spielarten weg.
Slalom und Quer folgen der Richtung, mit der die Runde beginnt: Beginnt sie mit Undenufe, gewinnt beim Vergleich die tiefere Karte. Beginnt sie mit Obenabe, gewinnt die höhere. Beim Trio gewinnt immer die höhere.
Ein Weis zählt auch ohne Stich
Wer weist und danach keinen Stich holt, schreibt seinen Weis trotzdem.
Falscher Weis
Der Verband hat dazu kein Reglement und empfiehlt: Der Weis wird gestrichen. Eine weitergehende Strafe macht die Runde vor der Partie ab.