Das Anziehen ist neben dem Verwerfen die wichtigste Taktik beim Jassen, besonders für das Team, das am Drücker ist.
Anziehen bedeutet, jene Farbe auszuspielen, bei der man selber stark ist. Damit erreicht man zweierlei:
- Man kommuniziert dem Partner, dass das die starke Farbe ist.
- Im wörtlichen Sinn werden Karten dieser Farbe «angezogen». Das erhöht die Chance, aus der Farbe einen oder mehrere Böcke zu machen.
Beispiel 1: Der Klassiker
Ein Spieler hat den König und weitere Karten einer Farbe. Er zieht die Farbe an, in der Hoffnung, dass der Partner das Ass hat oder einer der Gegner es spielt (idealerweise so, dass der Partner mit einem Trumpf abstechen kann). Damit ist die Farbe angezogen, der König wird zum Bock, und die weiteren Karten der Farbe womöglich ebenfalls.
Beispiel 2: Anziehen trotz Ass
Spieler A stellt fest, dass sein Partner B und er selber noch je einen Trumpf haben. A hält das Ass und drei weitere tiefe Karten dieser Farbe. Statt sofort das Ass zu spielen, zieht er die Farbe zuerst tief an. Weshalb?
Wird zuerst tief angezogen, sticht B ab und kann seine eigene Farbe anziehen. A setzt seinen Trumpf dann für die angezogene Farbe des Partners ein. A hält weiterhin das Ass: Nach einmaligem Anziehen und dem Ausspielen des Asses darf er damit rechnen, dass die verbleibenden zwei Karten der Farbe zu Böcken werden.
Bringt Spieler B die Farbe sogar zurück, hat A die Option, sie mit seinem Trumpf nochmals abzustechen, statt das Ass einzusetzen. Er behält so das Ass und zwei weitere Karten. Die Farbe ist jetzt so weit angezogen, dass A mit dem Ass und den zwei weiteren Karten praktisch garantiert drei Stiche macht.